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 Sabine Doht
Stadt, Land und Gießkanne von Eike Kellermann
Freies Wort - Suhl, 23.05.2008
Zitat:
Die Landeshauptstadt ist das Zentrum Thüringens. Sie liegt ziemlich in der Mitte des Landes, ist Sitz der Regierung und mit rund 200 000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt. Sollte Erfurt deshalb einen Vorrang bei Investitionen und Raumplanung haben? Diesen Schluss legt der renommierte Finanzwissenschaftler Horst Zimmermann nahe: „Die wirtschaftliche Dynamik kann nur aus Städten kommen“, sagt der Marburger Professor. Erfurt als „einzige Großstadt und Schwerpunkt Thüringens“ sei deshalb zu stärken.

Zimmermann trägt seine Ansichten beim Forum der SPD-Landtagsfraktion mit dem Titel „Thüringens Städte – Thüringens Zukunft“ vor. Seine These ist deshalb so eingängig, weil sie schlicht daherkommt und auf erfolgreiche Beispiele verweisen kann. Mit der Stärkung der Zentren wird ein Mehrwert versprochen, von dem irgendwann auch der ländliche Raum profitiert. Beispielhaft nennt Zimmermann Bayern, wo man das Tafelsilber verkauft, damit München gestärkt („der vielleicht dynamischste Raum in Deutschland“) und so auch das Geld für den ländlichen Bereich verdient habe.

„Hätten Sie ein München mit ein bisschen Land drum herum, wäre es einfacher“, sagt Zimmermann bekümmert. Thüringen ist für ihn zwar „eine ordentliche Region“, was im globalisierten Wettbewerb, bei dem Regionen konkurrierten, positiv sei. Außerdem sei die Lage innerhalb Deutschlands sehr gut. Aber leider weise der Freistaat keine Metropole, sondern viele kleine Städte, frühere Residenzen, auf. Diese solle man nur dann „begießen“, wenn sich dort etwas tue, lautet Zimmermanns Empfehlung.

Es sind Städte wie Meiningen, Gotha und Sondershausen. Oder Altenburg. Rund 37 000 Einwohner hat die Stadt im östlichen Zipfel des Freistaats noch – und dazu erhebliche Probleme, etwa die hohe Arbeitslosigkeit. Warum eigentlich, fragt sich Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Ende des 19. Jahrhunderts habe Altenburg zu den 100 reichsten Kommunen im Deutschen Reich gezählt. Zwischen damals und Gegenwart lagen Krieg, DDR und der Zusammenbruch der Großindustrie nach 1989. Und heute? Heute, sagt Wolf, „gibt die Thüringer Landespolitik der Region Altenburg nicht die Unterstützung, die sie braucht“.

Wo die Kreativität ist

Eine unterschiedliche Behandlung der Landesteile gebe es bereits jetzt, sagt Max Welch Guerra, Professor für Raumplanung an der Bauhaus-Universität Weimar. Mit dieser Aussage tritt er dem Vorwurf der Gleichmacherei entgegen, jener Förderung nach dem „Gießkannen-Prinzip“. Seine Gegenposition spitzt er vielmehr in der Frage zu: „Sind Sie bereit, den ärmeren Gemeinden noch mehr Geld wegzunehmen, damit Erfurt wächst?“

Was überhaupt ist dran an Erfurt? Aus dem Publikum kommt der Hinweis, dass die Region Südthüringen den höchsten Anteil an Selbstständigen im Freistaat aufweise. Kreativität und der Mut, selbst die Ärmel hochzukrempeln, sind hier offenkundig vorhanden. Die niedrige Arbeitslosigkeit und die hohe Quote an Industrie-Arbeitsplätzen lassen den Süden Thüringens viel besser aussehen als Landesränder im Norden oder Osten.

Dem Weimarer Professor Welch Guerra aber macht die Zukunft Sorgen: „Das große Problem im nächsten Jahrzehnt wird die Armut im ländlichen Bereich, gerade die Altersarmut“, sagt er. Man könne diese Leute doch nicht einfach abhängen, lautet seine Kritik an einer Konzentration allein auf das Zentrum. Natürlich müsse es einen Ausgleich zwischen Stadt und Land geben, stimmt ihm Zentren-Befürworter Zimmermann zu, zum Beispiel durch den Kommunalen Finanzausgleich. Doch am Ende bleibt sein Credo: „Bei knappen Mitteln sollte eher in Wachstum investiert werden.“

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