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 Hans-Jürgen Döring
Viel Unruhe in Schulen, Kitas und Horte getragen von Hartmut Kaczmarek
Thüringische Landeszeitung - Weimar, 09.01.2007
Zitat:
Für SPD-Experten Döring steht fest: Kultusminister Goebei ist gescheitert

Erfurt. (tlz) Er ist der Minus-Mann des Jahres 2006. Und er geht mit einer Reihe unerledigter Probleme auch ins neue Jahr: Thüringens Kultusminister Jens Goebel. In seinem Haus ballen sich die Probleme massenhaft. Das fängt bei dem Kultur-Kahlschlag in Thüringen an, geht über den Massenprotest gegen die Kita-Gesetzgebung weiter und endet bei den juristischen Ohrfeigen, die sich Goebel von Thüringens Richtern in Sachen Schulbuchgeld und Teilzeit-Verbeamtung eingefangen hat.

Für Oppositionspolitiker ist ein solcher Minister mit dieser Problemhäufung natürlich ein gefundenes Fressen. Aber eigentlich, so Hans-Jürgen Döring, der Bildungsexperte der SPD ist es traurig, denn sowohl im Kultur- wie auch im Schulbereich droht das Land Schaden zu nehmen. Und eine Wende ist seiner Einschätzung mit diesem Kultusminister nicht in Sicht. "Das ist eine Frage der politischen Vision und des Willens." Und da beschleichen Döring, der die Bildungsszene in Thüringen schon von Anfang an kritisch-konstruktiv verfolgt, doch erhebliche Zweifel, ob das alles "mit diesem Minister zu stemmen" ist.

In Sachen Kultur wirft Döring dem Kultusminister vor, nur fiskalisch zu denken. Er habe kein Konzept und sei auch nicht bereit, Gesamtverantwortung für die Kultur im Land zu übernehmen, so der SPD-Politiker. Und das räche sich auch wirtschaftlich. Thüringen habe im Reigen der deutschen Mittelgebirgsreiseziele eine absolute Alleinstellung durch die reichhaltige Kulturlandschaft. Und die werde systematisch zerschlagen.

Eine Reihe von Großbaustellen

Wenn Döring sich dann in den Schulbereich vertieft, hat man das Gefühl, von einer Großbaustelle zur nächsten geleitet zu werden. Vieles hat man im Hause Goebel angefasst, aber fast alles ohne Plan, Ziel und Konzept. Beispiel Hortkommunalisierung. Goebel will es, alle anderen sind dagegen, auch die kommunalen Spitzenverbände. Verunsicherung ist in die Horte getragen worden, Fortschritte gibt es nicht. Die jetzt in Aussicht genommenen Modellprojekte bezeichnet Döring als "Beruhigungspillen".

Auch beim Blick auf die schulbezogene Jugendarbeit sträuben sich dem SPD-Bildungspolitiker die Haare. Von Goebels Amtsvorgänger Michael Krapp wurden die Nachmittagsangebote an den Schulen gefördert und entwickelten sich gut. Die Notwendigkeit solcher Offerten an junge Menschen steht außerhalb jeder Diskussion; um sie nicht entweder vor den Fernseher, den Computer oder sogar in die Hände politischer Extremisten zu treiben, die nach Einschätzung auch von Buchenwald-Gedenkstätten-direktor Volkhard Knigge nur darauf warten, solche entstehenden Lücken zu füllen. Goebel aber habe die finanziellen Mittel dadurch zurückgefahren, indem sie Teil der Jugendpauschale sind. Bereits habe eine Reihe von Schulen ihre Angebote zurückgefahren. "Es wurden Strukturen geschaffen und sie werden jetzt nicht weiter bedient", so Döring, der eindringlich vor de Folgen warnt.

Großer Mangel an Schulpsychologen

Auch das groß angekündigte Projekt "Eigenverantwortliche Schule" ist für Döring nichts weiter als Etikettenschwindel, weil es mit zu viel Restriktionen verbunden ist. Nach Dörings Wissen melden sich kaum noch Schulen, um an diesem Projekt teilzunehmen.

Bei der Umwandlung der Schulämter in so genannte Qualitätsagenturen sei viel Fachlichkeit verloren gegangen, so Döring. Bei der Schulsozialarbeit vermisst er. ein bedarfsgerechtes Konzept und bei der Zahl der Schulpsychologen sei Thüringen in Deutschland an letzter Stelle. "Sie können nur noch Feuerwehr spielen und sind völlig überlastet."

Sein Fazit: Thüringen hat wichtige Zeit und gute Ausgangspositionen verschenkt. Bekommen habe man dafür ein hohes Maß an Unruhe in Schulen, Kitas und Horten.
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